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Geschichte

Ein Blick in die Geschichte

Grafschaft Mark

Bestallungsurkunde für Dietrich Freiherr von der Recke, 1753 | Landesarchiv NRW
Bestallungsurkunde für Dietrich Freiherr von der Recke, 1753 | Landesarchiv NRW

Der Kreis Unna gehörte früher in seinem Kern zur Grafschaft Mark, die durch Erbfolge an Brandenburg-Preußen gefallen war. Als Anfang des Jahres 1753 in den Provinzen Kleve und Mark eine Kreisverfassung im Rahmen der Justizreform eingeführt wurde, war dies einer der letzten Punkte in der Eingliederung dieser beiden Provinzen in den Verwaltungsapparat des preußischen Staates. Für die Provinz Mark bedeutete dies, dass die alten Ämter und Jurisdiktionen zu Kreisen zusammengefasst wurden. An der Spitze dieser Kreise stand nun der Landrat, der die Verwaltungsbefugnisse der bisherigen Richter und Amtmänner wahrnahm.

In der ehemaligen Grafschaft Mark wurden auf der Grundlage einer gleichmäßigen Einwohnerzahl die Kreise Altena, Hamm, Hörde und Wetter gebildet. Der Kreis Hamm umfasste die alten Ämter Hamm, Kamen, Lünen und Schwerte sowie die Jurisdiktionen Buddenburg, Haaren-Uentrop, Heeren und Reck.

Haus Reck als Dienstsitz des Landrats, um 1900
Haus Reck als Dienstsitz des Landrats, um 1900

Erster Landrat wurde ein Mann, dessen Vorfahren bereits über Jahrhunderte in den Ämtern Unna und Kamen das Drostenamt ausgefüllt hatten: Dietrich Freiherr von der Recke zu Reck. Unterstützt wurde der Landrat durch zwei Unterbeamte, einen "Kreiscalculator" als Kreisschreiber sowie einen sogenannten Kreisausreuter als polizeiliches Exekutivorgan.

Napoleonische Zeit

Karte der Grafschaft Mark, 1791
Karte der Grafschaft Mark, 1791

In der Napoleonischen Zeit wurden die Preußischen Behörden aufgelöst und nach französischem Vorbild neu organisiert. Das Gebiet des heutigen Kreises Unna wurde dem Großherzogtum Berg zugewiesen, das in vier Departements gegliedert war. Das zum Ruhrdepartement gehörige Gebiet umfasste damals große Teile der Kantone Unna, Hamm, Dortmund, Hörde und Werne. Die vorgefundenen Verwaltungseinheiten wurden vielfach ohne Rücksichtnahme auf historisch gewachsene und wirtschaftlich gefestigte Verbindungen zerrissen. 

Nach der Napoleonischen Übergangszeit wurde die Herrschaft Preußen über unserer Region rekonstituiert. Mit der Bildung von neuen Stadt- und Landkreisen blieb freilich nur der Kern des früheren Kreises Hamm erhalten.

Die Ämter Hamm, Pelkum, Rhynern, Fröndenberg/Ruhr, Kamen und Unna blieben im Kreis Hamm vereint. Im Westen aber ging die Bürgermeisterei Aplerbeck mit dem Kirchspiel Opherdicke an den Kreis Hörde. Auch die früheren Ämter Lünen und Schwerte sowie das Gericht Buddenburg wurden anderen Verwaltungsgebieten zugeteilt.

Anfänge der kommunalen Selbstverwaltung

Landrat David Wiethaus | Foto Kreis Unna
Landrat David Wiethaus

Für den Landrat - erster Amtsinhaber wurde David Wiethaus - blieb es durchweg bei hoheitlichen Aufgaben. Erst mit einer neuen, 1886 erlassenen Kreisordnung für die Provinz Westfalen fanden Elemente einer frühen Selbstverwaltung Eingang in die Aufgaben der kommunalen Ebene. Auch wenn weiterhin die hoheitlichen Aufgaben überwogen, fielen angesichts der politischen und ökonomischen Entwicklung zentrale Aufgaben zur individuellen Fortentwicklung des jeweiligen Raumes an - so unter anderem die Erschließung des Kreisgebiets mit Straßen und Wegen, der Aufbau eines eigenen Gesundheitswesens und Anfänge einer Jugendpflege. Damit reagierte die preußische Staatsverwaltung nicht zuletzt auf die sich verschärfenden sozialen Spannungen, die mit der schnell voranschreitenden Industrialisierung einhergingen. Sie fand gerade in unserer Region mit der schnell erstarkenden Montanindustrie und dem Maschinenbau einen fruchtbaren Boden.

Während der Landrat weiter vom König ernannt wurde und als Staatsbeamter die staatlichen Verwaltungsangelegenheiten leitete, standen ihm erstmals ein Kreistag und ein Kreisausschuss zur Seite, in denen er zugleich den Vorsitz führte. Von besonderer Bedeutung wurde die Tätigkeit des Kreisausschusses als zentrales Verwaltungsorgan für die nicht staat-lichen Kreisangelegenheiten, ebenso als unterste Beschwerdeinstanz in Verwaltungssachen und als Beschlussbehörde. Die Mitglieder des Kreisausschusses wurden vom Kreistag für sechs Jahre gewählt. Die wahlberechtigten Männer des Kreises wählten unter den Einschränkungen des preußischen Dreiklassenwahlrechts den Kreistag ebenfalls für sechs Jahre.

Die Weimarer Republik | Umbenennung des Kreises

Landrat Karl Schulze-Pelkum | Foto Kreis Unna
Landrat Karl Schulze-Pelkum

Ein Wandel hin zu mehr Demokratie auch auf der Ebene der Landkreise brachten erst die tiefgreifenden politischen Umwälzungen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Trotzdem gab es anfänglich häufig eine personalpolitische Kontinuität in den Landratsämtern. Im Kreis Hamm leitete Karl Schulze-Pelkum  von 1894 bis zu seiner aus politischen Gründen erfolgten Versetzung in den Ruhestand im Jahre 1922 die Kreisverwaltung.

In den Jahren der Weimarer Republik erwuchs der Kreisverwaltung eine Fülle neuer Aufgabenfelder, vor allem in der Neuordnung des Sozial- und Jugendwesens. Trotzdem blieb die Kreisverwaltung ein eher bescheidener Apparat. Landrat Dr. Hans Bentlage, der das Amt von 1925 bis 1933 inne hatte, stützte sich bei seiner Arbeit auf 21 Beamte.

Zwei Entscheidungen, die für den Kreis Unna von großer Bedeutung sind, fielen in den 20er Jahren. Die eine betraf das Kreisgebiet, dem 1929 im Zuge der Kommunalen Neuordnung des Ruhrgebietes die zum Kreise Hörde zählenden Gemeinden Opherdicke, Hengsen und Holzwickede eingegliedert wurden. Die andere verlegte den Sitz der Kreisverwaltung von Hamm in das Innere des Kreises nach Unna. Die Entscheidung über die Verlegung der Kreisverwaltung von Hamm nach Unna fiel natürlich nicht von heute auf morgen.

Dass das Kreishaus in Hamm stand, war schon 1886 nicht unumstritten. 1901 lebte die Diskussion erneut auf. Trotzdem wurde nichts daran geändert, obwohl damals schon die Stadt Hamm gar nicht mehr zum Kreis gehörte. Sie war nach längerer Diskussion aus dem Kreisverband ausgeschieden und bildete mit Wirkung von 11. April 1901 einen eigenen Stadtkreis. Am 2. November 1927 fand dann die entscheidende Sitzung statt: Mit 19 gegen 10 Stimmen bei 2 Enthaltungen beschloss der Kreistag die Verlegung des Landratsamtes von Hamm nach Unna. Das preußische Staatministerium genehmigte den Umzug am 30. April 1929.

Landratsamt Unna 1930
Landratsamt Unna 1930

Am 17. Oktober 1930 änderte der Kreis Hamm dann auch seinen Namen und wurde zum Kreis Unna. Wenige Tage zuvor, am 20. September 1930, war bereits in Unna das neue Kreishaus eingeweiht worden, das sich noch heute als "Landratsamt" entlang der Burgstraße erstreckt.

Nationalsozialismus und Nachkriegszeit

Eröffnungssitzung des Kreistags am 12.04.1933 in der Tonhalle Unna
Eröffnungssitzung des Kreistags am 12.04.1933 in der Tonhalle Unna

Sofort nach der Machtübernahme Ende Januar 1933 begannen die Nationalsozialisten mit dem Abbau der demokratischen Selbstverwaltung. Bereits am 4. Februar wurden der Kreistag in Unna aufgelöst und Neuwahlen angeordnet. Die NSDAP, vorher überhaupt nicht im Kreistag vertreten, wurde über Nacht mit 14 von 33 Sitzen die stärkste Fraktion.

Ein Handstreich folgte dem anderen: Am 20. März wurde der Landrat von Unna vom Innenminister angewiesen, alle KPD-Abgeordneten ab sofort von den Sitzungen des Kreistages auszuschließen. Am 7. Juli wurden die SPD-Mandatsträger aus dem Kreistag ausgeschlossen. Die Sitze vergab die NSDAP an "Verdiente Kameraden". Fast gleichzeitig wurden die Aufgaben und Zuständigkeiten des Kreistages dem Kreisausschuss übertragen. Der Kreistag durfte nicht mehr zusammentreten. Die demokratische Selbstverwaltung der Kreise war praktisch abgeschafft.

Trotzdem konnte der Kreis Unna nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Ende von Schreckensherrschaft und Zerstörung, an die ursprünglich gewachsenen Strukturen wieder anknüpfen - jedenfalls, was Zuschnitt und Aufgaben anbelangte. Die Kommunalverfassung selbst änderte sich gründlich, indem an die Stelle des vormals staatlich bestellten Landrates eine "Doppelspitze" trat.

Der Landrat wurde fortan vom Kreistag gewählt. Er war politischer Repräsentant des Kreises Unna, übte sein Amt ehrenamtlich aus, führte den Vorsitz im Kreistag und vertrat den Kreis bei besonderen Anlässen.

Die Führung der Verwaltung, die sowohl die staatlichen Aufgaben zu erfüllen als auch die Beschlüsse des Kreistages umzusetzen hatte, übernahm der Oberkreisdirektor. Er wurde vom Kreistag zunächst auf zwölf, später auf acht Jahre gewählt.

Landrat Hubert Biernat im Landratsamt Unna, 1963
Landrat Hubert Biernat im Landratsamt Unna, 1963

Den ersten, von der britischen Militärregierung eingesetzten Kreistag löste im Oktober 1946 ein von der Bevölkerung bestellter Kreistag ab, in dem 35 Sitze an die SPD, 11 an die CDU und zwei an die KPD fielen. Die Funktion des Landrates hatte in der schweren Phase des Wiederaufbaus Hubert Biernat inne. Dieser war später unter anderem Mitglied der SPD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag, Innenminister des Landes NRW, zwischenzeitlich auch Regierungspräsident in Arnsberg. Seine Nachfolger wurden zunächst Heinrich Renninghoff (1950 bis 1959) und Karl Greune (1959 bis 1960), bevor Biernat 1961 abermals das Amt des Landrates übernahm. 1964 folgte Jürgen Girgensohn, der spätere Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen.

Kommunale Neuordnungen bis heute

Richtfest des neuen Kreishauses, 1961
Richtfest des neuen Kreishauses, 1961

Mit dem Anwachsen der Aufgaben der Kreisverwaltung ging eine schrittweise Vergrößerung des Personals einher. Der immer katastrophaler werdende Raummangel wurde - zumindest vorübergehend - durch den Bau des neuen Kreishauses an der Friedrich-Ebert-Straße in den Jahren 1960 bis 1963 behoben.

Das Kreisgebiet veränderte sich in den folgenden Jahren weiter. Mit dem sogenannten Unna-Gesetz wurden zum 1. Januar 1968 aus den damals 75 Kommunen des Kreises Unna neun Städte und Gemeinden gebildet. Mit einer weiteren Neugliederung zum 1. Januar 1975 wurde der Kreis Unna um die bis dahin kreisfreie Stadt Lünen sowie um die Städte Schwerte, Selm und Werne erweitert, während die Gemeinden Pelkum, Rhynern und Uentrop aus dem Verband ausschieden und der Stadt Hamm zugeschlagen wurden. Als Landrat wurde vom neu konstituierten Kreistag Fritz Böckmann wiedergewählt (1970 bis 1988).

Oberkreisdirektor Karl-Heinrich Landwehr
Oberkreisdirektor Karl-Heinrich Landwehr

Der amtierende Oberkreisdirektor Dr. Lothar Voit (1956 bis 1976) wurde von Karl-Heinrich Landwehr abgelöst, der fast ein Vierteljahrhundert die Geschicke der Kreisverwaltung Unna leitete. 

Die vorerst letzte Reform der NRW-Kommunalverfassung führte im Herbst 1999 dazu, dass die nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführte Doppelspitze aufgegeben werden musste: Die bisherigen Ämter von Landrat und Oberkreisdirektor wurden im Amt des neuen Hauptamtlichen Landrats verschmolzen, der direkt von der Bevölkerung gewählt wird und sowohl den Kreis Unna repräsentiert als auch die Kreisverwaltung führt. Zum ersten Hauptamtlichen Landrat wurde der Kamener Gerd Achenbach gewählt. Seit 2004 ist Michael Makiolla Landrat des Kreises Unna.

Auskunft

weitere Informationen

Josef Börste
Fon 0 23 03 / 27-15 41
Fax 0 23 03 / 27-41 41
josef.boerstekreis-unnade