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Broschüren und Merkblätter zum Thema "Sicher wohnen - Einbruchschutz" (Kreispolizeibehörde)
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Einbruchdiebstahl und seine psychischen Folgen
Auszug aus einem Vortrag anlässlich der Tagung "Sicher wohnen in Münster", 27. Januar 2000
Profin. Dr. Martina Eckert, FhöV NRW, Abt. Hagen
Wohnraum sichert Intimität. Nirgendwo außer in den eigenen vier Wänden lassen wir uns so gehen, können wir so wir selbst sein, fühlen wir uns sicher. Deshalb gehört die eigene Wohnung unmittelbar zu unserem persönlichen Identitätsraum. Wir können uns das wie eine Zwiebel vorstellen. Im Inneren der Kern mit seelischen und individuellen Persönlichkeitsanteilen, dann der Körper als äußere Hülle, gefolgt vom persönlichen Raum (Wohnen) und dem sozialen Raum (Sozialkontakte).
Dass uns dieser Zusammenhang nicht bewusst ist, zeigt, wie selbstverständlich diese Identitäts- und Schutzfunktion für uns ist. Leben ohne einen persönlichen Raum ist für Menschen eigentlich nicht möglich. Das heißt aber auch: Beschädigungen oder unerwünschter Zutritt zu diesem Raum führen unweierlich zu Verletzungen der persönlichen Intimität. Das gilt sogar auch, wenn Menschen vorgeben, dass ihnen Wohnen nicht viel bedeutet.
Normal ist es, dass uns im Falle eines Einbruchs der Verlust materieller Werte schmerzt. Eigentlich erschüttert ein Einbruch aber mindestens ebenso stark unsere notwendige Illusion, in unserem persönlichen Raum beschützt und unantastbar zu sein ("My home is my castle"). Wir reagieren auf Einbrüche deshalb so nachhaltig, weil jemand unsere persönlichen Grenzen überschritten und uns die Schutzillusion genommen hat, die wir mit unserer Wohnung verbinden. Einbrüche können Menschen also in psychische Krisen stürzen, die man in der Regel unterschätzt. Unterstützt wird diese Haltung auch durch unsere Neigung, die Sicherung des Eigentums in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen.
Wir halten die Sicherung unseres Eigentums für selbstverständlich und tragen Sorge dafür, dass man uns einen etwaigen Schaden ersetzt. Außenstehende zeigen aus diesem Grund auch oft kein Verständnis dafür, dass Opfer noch lange nach der Tat nicht richtig Fuß gefasst haben. Schließlich hat man ihnen doch ihren Schaden ersetzt und die Einbruchsfolgen beseitigt. Kommen körperliche Verletzungen nach einem Überfall dazu, ist das Verständnis deutlich höher und die Nachsicht ebenfalls. Das kann zu der paradoxen Situation führen, dass banale Einbrüche nachhaltiger wirken können als Überfälle. Für alle diese Bereiche ist deshalb Prävention der Weg, den es einzuschlagen gilt.
Mit Sicherheitssystemen oder Bauweisen, die soziale Begegnung und Kontrolle ermöglichen, kann man nicht nur materiellem Schaden vorbeugen. Sie schützen den noch weitaus sensibleren Teil psychischer Stabilität. Je selbstverständlicher diese Maßnahmen sind, desto eher stehen sie im Dienste eines subjektiven icherheitsgefühls. In der Regel ist die Beschäftigung mit möglichen Folgen bereits für viele Personen so angsteinflößend, dass sie sich mit dieser Thematik gar nicht beschäftigen. Wird eine Wohnung ausdrücklich gesichert oder nachgerüstet, gesteht man sich im Grunde schon ein, dass man nicht sicher ist - diese Schlussfolgerung widerspricht aber dem so wichtigen Gefühl nach Sicherheit im Nahbereich. Am günstigsten ist es also, wenn ein System von Schutzaspekten den persönlichen Raum selbstverständlich schützt - gerade so wie es für die meisten von uns selbstverständlich ist, dass wir einen Antennenanschluss in der Wohnung haben, und zwar ganz gleich, ob wir ihn nutzen oder nicht.
Wenn Menschen sich um ihre Sicherheit bemühen müssen, indem sie sich z. B. durch Alarmanlagen schützen, ist eines sicher: Ein Großteil hat das im Auge, was bei ihm zu holen ist. In zweiter Linie geht es um die körperliche Sicherheit und erst zuletzt um den eigenen Seelenfrieden. Es wäre daher aus psychologischer Sicht sinnvoll und wünschenswert, wenn Verantwortliche ganz selbstverständlich dafür Sorge tragen, dass Wohnraum sicherer wird. Es kann also nicht etwa darum gehen, neue Ängste zu schüren, um hierdurch höhere Verkaufszahlen zu unterstützen - oder besser noch so zu bauen, dass zu einer objektiv messbaren Sicherheit beigetragen werden kann.
Je weniger Personen im Alltag über ihre persönliche Sicherheit nachdenken müssen oder aus Angst oder in Reaktion auf erlebtes Leid Entscheidungen treffen müssen, desto besser für unser Seelenheil.




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