Mehr als 100 Unternehmensvertreterinnen und Unternehmensvertreter waren am Mittwoch der Einladung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Unna mbH (WFG) zum Schlossgespräch unter dem Motto „Wenn Wissen geht, bleibt KI?“ ins Haus Opherdicke gefolgt.
Szkudlarek
WFG-Geschäftsführer Sascha Dorday hieß die Gäste willkommen und führte kurz in das Thema ein. „Mit jeder Pensionierung und jedem Jobwechsel verschwindet wertvolles Erfahrungswissen im Betrieb oft unwiederbringlich. Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und kurze Verweildauern in Unternehmen verschärfen diese Entwicklung, die eine enorme Herausforderung für die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe darstellt.“ KI sei zwar nicht die alleinige Antwort auf den Verlust von Wissen, könne aber zum Katalysator für neues Wissen werden, wenn sie klug eingesetzt werde.
Für den wissenschaftlichen Input sorgte anschließend die Organisationspsychologin Prof. Dr. Yvonne Garbers von der Hochschule Osnabrück mit ihrer Keynote „Künstliche Intelligenz als Wissensspeicher – Chancen & Grenzen“. Künstliche Intelligenz biete beim richtigen Einsatz die Möglichkeit, Sachwissen, explizites Wissen und organisationales Wissen von Unternehmen zu managen. Entscheidend sei jedoch, implizites Wissen und das Erfahrungswissen der Mitarbeitenden zu generieren, zu bewahren und zu teilen. „Nicht der Beschäftigte selbst ist unersetzlich, sondern sein implizites Wissen“, betonte die Wissenschaftlerin.
Einen Einblick in die unternehmerische Praxis gewährte Helena Georgi, Geschäftsführerin der Georgi Aufzugtechnik GmbH, im Rahmen ihres kurzweiligen Vortrags „Wissenstransfer im Wandel – Wie Unternehmen Wissen sichern können“. „Es gibt keinen Ausbildungsberuf zum Aufzugsmonteur. Die Qualifizierung neuer Mitarbeitender erfolgt hoch individualisiert, ist mit erheblichem Aufwand verbunden und die Einarbeitung dauert oft bis zu sechs Jahre. Hochqualifizierte Mitarbeitende werden durch die Schulung neuer Beschäftigter stark gebunden, und Wissen wird meist nur individuell und situativ weitergegeben“, skizzierte sie die Herausforderungen, mit denen ihr Unternehmen konfrontiert war.
Um darauf zu reagieren, entwickelte sie gemeinsam mit ihrem 46-köpfigen Team in den vergangenen eineinhalb Jahren einen Kompetenzkatalog und darauf aufbauend eine Wissensplattform. „Auf unserer Wissensplattform haben wir mittlerweile rund 500 Inhalte – von Word-Dokumenten bis hin zu Videoanleitungen für komplexe Reparaturen, mit Content aus allen Unternehmensbereichen. Zudem finden nun wöchentlich 90-minütige Schulungen zu unterschiedlichen Themen statt, um implizites Wissen für alle Beschäftigten zugänglich zu machen. Die Zahl der Telefonate zwischen den Mitarbeitenden ist um 90 Prozent gesunken. Wissen ist die geschärfte Axt im Arbeitsalltag. Wer sie nutzt, arbeitet klüger, nicht härter“, schloss Georgi ihren Vortrag.
In der anschließenden Podiumsdiskussion berichteten Katharina Daviaud (Mitgründerin und Geschäftsführerin der ck quadrat GmbH), Achim Dries (Geschäftsführer der Vahle GmbH & Co. KG), Lukas Schröder (Wissenschaftler am Zukunftszentrum KI NRW), Caroline Schulz (HR-Managerin bei der Zapp Precision Metals GmbH), Peter Zahmel (Regionaldirektor Kreis Unna, Volksbank Unna – Zweigniederlassung der Volksbank Dortmund-Nordwest eG) sowie WFG-Chef Sascha Dorday, wie das Thema Wissensmanagement in ihren Betrieben umgesetzt wird und wie sie den damit einhergehenden Herausforderungen für die Zukunft begegnen.
Einigkeit herrschte darüber, dass jedes Unternehmen individuelle Lösungen finden müsse, um Wissen zu sichern und dass dem erfolgreichen Einsatz von KI stets die Digitalisierung von implizitem Wissen vorausgehen müsse. Denn kritisches Denken, Kreativität und Problemlösungsfähigkeit würden menschliche Stärken bleiben. KI speichere, verknüpfte und verteile Wissen – doch am Ende bleibe es der Mensch, der interpretiere, entscheide und innoviere. KI könne viel, sei beim richtigen Einsatz aber nur ein Werkzeug, um Wissen zu retten.
Zum Abschluss nutzten die Gäste die Gelegenheit zum Networking und Austausch. Die Veranstaltung wurde finanziell unterstützt von der Volksbank Unna – Zweigniederlassung der Volksbank Dortmund-Nordwest eG.