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AußenWelten InnenRaum | Werke aus der Sammlung Brabant

18. Dezember 2011 bis 15. April 2012

Mit einem Themenspektrum, das von Landschaften über Interieurs bis hin zu Stillleben reicht, präsentiert der Kreis Unna auf Haus Opherdicke erneut eine Ausstellung aus dem Bestand des Wiesbadener Kunstsammlers Frank Brabant. Die seit nunmehr 45 Jahren zusammengetragene Sammlung mit über 400 Werken aus der Zeit des 19. und 20. zählt zu den bedeutendsten deutschen Privatsammlungen. Dabei ist es ein besonderes Anliegen Frank Brabants, den großen Namen wie Max Beckmann, Alexej von Jawlensky und Max Pechstein, die weniger bekannten, aber dennoch überzeugenden Künstler der sogenannten „Verschollenen Generation“ gegenüber zu stellen.

Mit mehr als neunzig Werken lenkt die Ausstellung den Blick auf eine Zeit, die die Kunst über Jahrhunderte in wechselnden Ausprägungen beschäftigt hat. Zwar reicht das zeitliche Spektrum der Exponate von Anfang bis Ende des 20. Jahrhunderts, doch liegt der Schwerpunkt der Präsentation bei den Künstlern der Klassischen Moderne. In un ruhige Zeiten hineingeboren, lag vor ihnen eine Zukunft, die kaum berechenbar war. In Deutschland führte der Weg von einer überholten und ausgehöhlten Monarchie über Naziterror und Diktatur bis hin zu einer stabilen Demokratie über zwei grauenvolle Weltkriege. Die Künste der ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts reflektieren diese Zeit ungefiltert und schonungslos. Sie spiegeln den Aufbruchswillen der Expressionisten und die Suche nach einer in Freiheit ver änderten Welt. Die Vertreter der Neuen Sachlichkeit und besonders die Kritischen Realisten setzen sich schonungslos mit den gesellschaftlichen Verwerfungen der 20er und 30er Jahre auseinander.

Nach 1933 kommt es zu einem folgenschweren Bruch. Die trivialen Kunstphilosophien der nationalsozialistischen Machthaber ließen keinen Raum für die Mahner und Erneuerer. Die kulturelle Vielfalt der Weimarer Republik versinkt in dem Missbrauch der Künste zur Legimitation der Verfolgung politischer Gegner und „rassistisch Minderwertiger“. Nach 1945 entwickelte sich Deutschland zu einer stabilen Demokratie. Mit der Hypothek der Vergangenheit belastet, musste sich die Kunstszene nach Kriegsende geradezu zwangsläufig neu orientieren und neu erfinden. Die dezidierte Abkehr von der Figuration bestimmte nunmehr das Geschehen auf dem Kunstmarkt. Die Künstler, die sich trotz veränderter Vorzeichen nicht der Abstraktion und dem Informell öffneten, schwammen gegen den Strom der Zeit und riskierten das Abseits. Die künstlerische Auseinandersetzung mit der Landschaftsmalerei, dem Interieur und dem Stillleben zeugt auch in Zeiten der Bedrängnis nicht nur von dem Veränderungswillen der Künstler, sondern auch von der Sehnsucht nach einer intakten Welt. Nicht jede und nicht jeder hatte den Anspruch eines Weltveränderers. Manche folgten einfach ihrer künstlerischen Bestimmung, undogmatisch, unpolitisch, nur dem eigenen Künstlerdasein verpflichtet. Als weitere Station wird diese Präsentation im Kallmann-Museum in Ismaning zu sehen sein.

Thomas Hengstenberg

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Sigrid Zielke-Hengstenberg, M. A.
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sigrid.zielke-hengstenbergkreis-unnade

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Im Museumsshop auf Haus Opherdicke sind reich bebilderte Kataloge erhältlich.