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Karl Leipold

Karl Leipold

Karl Leipold (1864 bis 1943) gehört zu jener Generation, die das Leid zweier Weltkriege ertragen musste. Als Wanderer zwischen konträren Welten glaubte er, bereits in seiner Jugend nur die Wahl zwischen einem Leben als Seemann oder dem als Künstler zu haben. Weitsichtige Eltern öffneten ihm die Tür zur Kunst und zu Studien an der Akademie in Düsseldorf, in München und Paris. Obwohl er sich für das Künstlerleben entschieden hatte, blieb die Liebe zur See Zeit seines Lebens bestimmend für das Fühlen, Denken und Tun des rastlosen Karl Leipold.

An Bord großer Schiffe befuhr er die Weltmeere und so scheint es fast folgerichtig, dass er schließlich im Jahr 1898 in Störort ein altes Gehöft erwarb. Hier, wo die Stör in die Elbe mündet, fühlte er sich seinem geliebten Element, dem Wasser, am nächsten. Obgleich er im Laufe der folgenden Jahre in Altona, Hamburg, München, Berlin und Schlüchtern weitere Ateliers unterhielt, gab Störort ihm für mehr als vier Jahrzehnte künstlerische Prägung und Heimat.

Die Ausstellung befasst sich mit den drei schaffensbestimmenden Themenkomplexen im Gesamtwerk Karl Leipolds. Als Zeugnisse seiner zahlreichen, zum Teil ausgedehnten Reisen und Aufenthalte in London, Venedig, Rom und Spanien entstanden architekturgeprägte Bilder, die vor allem die Motive Venedigs reflektieren. Bei diesen Werken ging  es dem Künstler nicht um jene Eindrücke, wie Durchreisende sie erleben, sondern um das Sinnbild der faszinierenden Geschichte dieser außergewöhnlichen Stadt. Auch wenn die berühmten Bauwerke ihm die Impulse gaben, galt sein wahres Interesse weniger der Architektur, als vielmehr den geheimnisvollen Hintergründen, die die Fantasie des sensiblen Betrachters in Bewegung setzen.

Mühlen, einsame Gehöfte oder im Schlick ruhende Boote beschreiben die zweite Werkgruppe, die seiner Holsteinischen Wahlheimat gewidmet ist. Dort, wo die Begegnung von Fluss, Land und Meer den Charakter der kargen Landschaft prägt, scheinen Himmel und Erde miteinander zu verschmelzen. Über den Szenen liegt eine Atmosphäre der Melancholie, die jedoch nicht bedrückend, sondern bereichernd wirkt.

Das Meer gab dem Künstler schließlich die Inspirationen für die Entstehung des dritten Schaffenskomplexes mit maritimen Motiven und Seestücken. Schon früh hatte der junge Student Zweifel daran verspürt, dass die Akademie ihm wirklich geben könne, was für seine künstlerische Entwicklung wichtig sei. Mit der ihm eigenen Entschlossenheit wandte er sich seiner wichtigsten Lehrmeisterin zu, der See. Sie wurde für ihn zum Urbild des Schöpferischen und gab ihm die lebenswichtige Nahrung für seine unermüdliche Fantasie.

Für alle Bereiche gilt, dass die Wirklichkeit Karl Leipold zwar Anstöße und Impulse gab, niemals jedoch zur Fessel wurde. Es scheint, als sei nicht ein Gegenstand, sondern eine der Natur entnommene Farbe in gleichem Maße Ausgangs- und Endpunkt des Bildes. Aus der Farbe entwickelt sich das Thema, um zunächst konkrete Formen anzunehmen und schließlich wieder in seiner Umgebung aufzugehen. Inspiriert von der Magie des Lichts ordnete er Form und Figur dem Wechselspiel seiner Farben unter. In allen Schaffensphasen bleibt die Verbindung von tatsächlich Gesehenem und Erlebtem mit Fantasie, Sehnsüchten und Visionen prägend für sein Werk.

Thomas Hengstenberg

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