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Ralph Driever

Ralph Driever | Ansichtssache

06. September bis 18. Oktober 2009

Ralph Driever scheint der festen Überzeugung zu sein, dass allen Dingen eine Ästhetik innewohnt. Die Fotografie gibt ihm die Möglichkeit, sich auf das zu konzentrieren, was unsichtbar sein mag, aber Wesentlich ist.

 Aus scheinbar distanzierter Position verwebt der Fotograf das schweigende Nebeneinander der Zeugnisse menschlicher Anwesenheit und gelegentlich auch Abwesenheit mit formalen Elementen, wie Linien, Flächen und Formen, zu scheinbar unspektakulären Ereignissen von zwingender Eindringlichkeit. Unsentimental, sachlich und doch nicht ohne Melancholie dringt Ralph Driever in das Innere der Szene vor und entreißt sie damit ihrer Anonymität. 

Er vermeidet jede subjektiv anmutende Interpretation und formale Ästhetik. Seine Fotografien idealisieren nicht, sondern stellen das Gesehene offen und gelegentlich auch streitbar zur Diskussion. In ihrer starken Suggestionskraft sind seine Bilder so intensiv, dass sich dem Betrachtenden immer wieder die Frage nach ihren Geheimnissen stellt. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Realität im gewohnten Sinne oder im Sinne der Kunst handelt.

Dass sich die Welt lange schon ein „Fotografiergesicht“ (S. Kracauer) zugelegt hat und die meisten Menschen selbst fotografieren, halte ich nicht für einen Grund, die Fotografie zu verwerfen. Natürlich ist ihr ihre Popularität hinderlich, da ihre gängigen Produkte ihre kritischen Potentiale verschütten. Es geht aber nicht darum ob, sondern was fotografiert wird und welches Konzept dahinter steckt. Zudem werden Fotografien in sehr unterschiedlicher Weise verwendet. Ich für meinen Teil war und bin vernarrt in die reale Welt, so schlecht sie auch ist. Mir geht es nach wie vor darum, mich von dieser einen vorgefundenen und stets singulären Konstellation des Sichtbaren verführen zu lassen, um sie dann in eine ausschnitthafte Bildwirklichkeit zu transformieren.

Die Sinnmöglichkeiten des Realen zu erforschen, auf deren Spur ich ohne das fotografische Bild nicht komme, das ist die tragende Motivation für meine Arbeit. Fotografie ist für mich ein philosophisches Forschungsmedium und keine Maschine zur Lieferung hübscher Bildchen, von denen es schon weit mehr als genug gibt. Das erste, wovor sich eine ernsthafte Fotografie fürchten muss, ist die herrschende Bildästhetik, bei der zumeist nur Seichtes und Gefälliges herauskommt, aber nichts, was den Geist herausfordert.

Ich arbeite seit vielen Jahren in thematisch lockeren Serien. Der Vorteil besteht darin, dass die Bilder in einem inhaltlichen Kontext verbunden sind, ohne dass das einzelne Foto darin zu einer bloßen Seriennummer degradiert wird. Ich kann so ein Maximum an gestalterischer Freiheit hinsichtlich des Einzelbildes mit der Kohärenz eines durchgängigen Konzepts kombinieren. Durch die thematische Disziplinierung, die der Fotografie in einer solchen Arbeitsweise widerfährt, habe ich die für mich beste Möglichkeit gefunden, mein fotografisches Anliegen zu verfolgen, die Erkundung des Wirklichen und unseres Sehens, und darüber die Befragung unserer Einstellungen gegenüber der Welt.

Thomas Hengstenberg

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