Kreishaus Unna | Foto: nowofoto

Veranstaltung "Alter und Pflege" mit Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann

Veranstaltung "Alter und Pflege" mit Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann

Fachtagung „Alter und Pflege“ am 05.02.2020 im Haus Opherdicke: Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann im Austausch mit Experten

Für rund 120 Verantwortliche aus Pflegebetrieben, Krankenhäusern, Politik, Verwaltung, Expertengremien gab es Informationen aus 1. Hand zur Zukunft der Pflege von Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit, Soziales. Eingeladen hatte der Kreis Unna (Sozialplanung in der Landratsstabsstelle Planung und Mobilität), auf Initiative aus dem „Netzwerk Seniorenarbeit“ (insbesondere von Frau Elke Wegner, COMPASS-Pflegeberaterin und Sprecherin der AG Krankenhaussozialdienste und ambulante neutrale Pflegeberatungen). Das vorgegebene Zeitfenster war sehr eng: Dem mit heimischen Experten besetzen Podium gelang es trotzdem, dem Landesminister einige besondere Problemfelder aufzuzeigen und seine Unterstützung einzufordern. Im Anschluss an die nachfolgenden kurzen Statements finden Sie hier eine Dokumentation der erfolgreichen Veranstaltung, welche auch intensiv dem kreisweiten und themenübergreifenden Austausch untereinander diente.

Landrat Michael Makiolla: Die soziale, gesundheitliche und pflegerische Situation hat sich im Kreis Unna seit 30 Jahren kontinuierlich und an vielen Stellen positiv entwickelt – dank gemeinsamer Anstrengungen. Noch bestehende oder neue Probleme müssen gelöst werden – auch auf Bundes- und Landesebene.  

Minister Karl-Josef Laumann: Jeder Mensch soll auch zukünftig entscheiden können, wie und wo er bei Pflegebedürftigkeit leben will. Eine vielfältige und qualitativ gute Angebotsstruktur ist weiterhin erforderlich. Höhere Kosten für die Pflegeversicherung und eine Erhöhung des Beitrages sind entsprechend nicht zu vermeiden. Aber: Geld pflegt nicht – alle Anstrengungen müssen unternommen werden, um viel mehr Pflegefachkräfte und Pflegehilfskräfte auszubilden. Und ohne gezielte Zuwanderungsprogramme kann der Personalmangel nicht bewältigt werden.

Sozialplaner Hans Zakel, Moderator: Gemeinsam an Verbesserungen zu arbeiten hilft, in Bund, Land und im Kreis Unna. Bei allem Erreichten ist es Aufgabe der Daseinsvorsorge, noch bestehende Probleme zu lösen. Es gibt strukturelle Finanzierungsprobleme, manchmal bedroht aber auch die Finanzierungspraxis sogar bewährte Angebote existenziell.

PSAG-Sprecherin Elke Wegner, COMPASS Pflegeberatung der Privatkassen: Ambulante Pflegedienste lehnen wegen Personalmangel immer häufiger Patienten ab. Und Kurzzeitpflegeplätze sind immer schwieriger zu finden. Vermehrte Heimunterbringungen und Krankenhausaufenthalte scheinen bereits Folgen zu sein. Alle Krankenhaussozialdienste und Pflegeberatungen stellen dies fest.

PSAG-Sprecher Marcel Schulze-Borgmühl, Pflegedienstleiter bei der Spies KG: Es bestehen nach wie vor mangelhafte Refinanzierungsmöglichkeiten aus dem SGB XI für die solitäre, langfristig buchbare Kurzzeitpflege. Die Fakten sind der Bundesregierung bekannt. Auch noch die letzten Anbieter im Kreis Unna sind existentiell gefährdet. Die Nachfrage ist äußerst hoch und auch nicht durch eingestreute Plätze in Pflegeheimen abzudecken.

Dr. Ulrich Vahle, Vertreter des Geriatrie-Verbundes Kreis Unna, Chefarzt der Geriatrie des Marienkrankenhaus Schwerte: Willkürlich viel höhere Prüfquoten einiger Kassen als bei akutstationären Krankenhausaufenthalten führen letztlich dazu, dass Betroffenen der Aufenthalt in einer geriatrischen Tagesklinik seltener bezahlt wird – dies könne doch auch ambulant erfolgen. Verlangt wird eine Begründung/Verordnung für einen Krankenhausaufenthalt, obwohl es um einen Tagesklinikaufenthalt zur Vermeidung von vollstationärem Krankenhaus und um den Übergang nach Hause oder zu Pflegeversorgern geht.

PSAG-Sprecher Hans-Michael Haustein, AWO-Heimleiter in Unna: Die fachärztliche Versorgung der Pflegeheimbewohner generell und die hausärztliche Versorgung nachts und am Wochenende sind sehr problematisch. Ein im Kreis Unna bewährtes Modellprojekt der Kassen mit dem Ärztenetzwerk habe  nachweislich gut funktioniert und mehrfach anstehende Krankenhauseinweisungen verhindert. Es fehlt an Refinanzierungsmöglichkeiten für die Ärzte in den Rand-Zeiten. 

Ralf Plogmann, Sprecher der AG Wohlfahrtsverbände und Geschäftsführer Caritas-Verband Unna: Auch im Kreis Unna droht absehbar ein Pflegepersonalnotstand. Rund 3.000 Kräfte sind bis 2030 geschätzt nur in der Altenpflege zusätzlich erforderlich. In einer konzertierten Aktion hat die AG der Wohlfahrtsverbände mit dem Kreis Unna und weiteren Akteuren aus dem Pflegebereich und der Ausbildung ein Konzept entwickelt für den Kreis Unna. Es steht bereits kurz vor seiner Fertigstellung. Alle Pflegebetriebe und weitere Akteure werden eingebunden und können von den geplanten Aktivitäten profitieren.

  • Die Tagungsdokumentation finden Sie hier.
Kurzlink
https://www.kreis-unna.de/x/bfE-fcc51

Auskunft

Sabine Leiße (Leitung)
Fon 0 23 03 / 27-10 61
Fax 0 23 03 / 27-22 96
sabine.leisse@kreis-unna.de

Hans Zakel (stellv. Leitung)
Fon 0 23 03 / 27-11 61
Fax 0 23 03 / 27-22 96
hans.zakel@kreis-unna.de