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Erst chippen, dann impfen! Kopfzeile

Erst chippen, dann impfen!

Erst chippen, dann impfen!

Tollwutimpfungen sind nur gültig, wenn die Kennzeichnung des Tieres (Chip/Tätowierung) vorher erfolgte. Das regelt eine seit Mitte Juni geltende EU-Verordnung eindeutig: Sie verbietet, ein Tier jetzt zu chippen und dann die früher erfolgten Impfungen aus dem gelben Impfausweis nachträglich in den blauen EU-Heimtierausweis (HTA) zu übertragen.

Der Hund hat einen gelben Impfausweis. Die Tollwutimpfung erfolgte im Januar. Jetzt steht eine Auslandsreise an. Also schnell einen Chip gesetzt und die Daten in den HTA übertragen? Nicht erlaubt, sagt die Verordnung 438/210 der EU. Sie will so definitiv sicherstellen, dass geimpftes und gekennzeichnetes Tier identisch sind. So hatte auch im September 2009 das Verwaltungsgericht Hannover geurteilt. Auch die Annahme der Bundestierärztekammer (BTK), dass ein Tierarzt ein Tier nachträglich kennzeichnen darf, welches er zuvor selbst geimpft hat – dessen Identität er also kennt – ist falsch. Er muss die Impfung wiederholen.

Juristisch mag das sinnvoll sein, nur leider ist es überhaupt nicht praxisnah, beklagt Dr. Claudia Imbescheidt aus Frankfurt. Der Tierarzt habe jetzt die leidige Rolle, dem Patientenbesitzer europäische Gesetze zu erklären. Und er muss ihm für eine erneute – medizinisch unnötige – Impfung noch Mal in die Tasche greifen. Selbst wenn die meisten Pharmahersteller einen dreijährigen Impfschutz garantieren, muss zwingend nachgeimpft werden, wenn das Tier zum Impfzeitpunkt noch nicht gekennzeichnet war. Sonst darf es keinen blauen HTA erhalten.

Eine Tätowierung gilt nur noch bis zum Juli 2011 als „Kennzeichnung“, ab dann brauchen auch diese Tiere einen Chip. Solange darf man bei tätowierten Hunden oder Katzen eine Chipkennzeichnung aber noch in den blauen Ausweis nachtragen.

Das Ganze ist manchem Halter schwer zu vermitteln. Noch schwerer wird es, wenn der Nachbarkollege vielleicht beide Augen zudrückt und sich auf juristisch äußerst dünnes Eis begibt. Doch der Heimtierausweis ist eine Urkunde. Die BTK betont: „Wenn ein Tierhalter keine Kennzeichnung wünscht, darf nur ein gelber Ausweis verwendet werden.“