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Das Große Welttheater

Das Große Welttheater - Expressionismus und Neue Sachlichkeit

4. Dezember 2011 bis 29. April 2012

Mit dem „Großen Welttheater“ präsentiert der Kreis Unna in Kooperation mit der Ernst Barlach Museumsgesellschaft Wedel ca. 150 Werke des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit aus der legendären Kunstsammlung Karsch/Nierendorf. Als thematische Klammer sind Grafiken, Zeichnungen, Aquarelle, Gemälde und Plastiken durch das gleichnamige Mysterienspiel von Pedro Calderón de la Barca miteinander verbunden, das um 1630 entstanden ist. In dem Spannungsverhältnis zwischen dem Weltbild Calderóns, in dem das Schicksal des Menschen vorbestimmt ist, und den Künstlern der Moderne, die in Abgrenzung zur bestehenden Ordnung eine selbstgestaltete Welt schaffen wollten, werden Textauszüge expressionistischen Kunstwerken gegenübergestellt. In dem sprachgewaltigen Werk Calderóns wird die Welt zur Bühne des großen menschlichen Dramas. Es übte starke Faszination und großen Einfluss auf die Künstler des Expressionismus aus, deren Welt im Verlaufe der 20er Jahre gänzlich aus den Fugen zu geraten schien.

Großstädtischer Glanz und Elend, Revolution und Restauration, Hunger, Elend und Krieg erschütterten die Grundfesten der Gesellschaft. In diesem Klima voller Widersprüche brachen die Künste mit Wucht und Kreativität alle Normen und wurden zum Signal des Aufbruchs. Das faszinierende Spektrum dieser großen Kunstepoche verbindet Bekanntes mit weniger Bekanntem und große Namen mit solchen, die zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten sind. Zwischen der Fortschrittseuphorie und der Hoffnung auf ein friedliches, selbstbestimmtes Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts und dem Verlust aller Illusionen nach dem Ersten Weltkrieg öffnen sich Abgründe. Mit der Ausstellung wird der Blick zugleich auf eine der qualitätsvollsten und interessantesten deutschen Privatsammlungengelenkt. Die Galeristen und Verleger Karl und Josef Nierendorf sammelten früh die Werke von Künstlern wie Beckmann, Dix, Ernst, Klee oder Feininger. Auch als diese schließlich unter dem Druck des nationalsozialistischen Systems gerieten, als „entartet“ verfemt und verfolgt wurden, blieben sie ihre Förderer.

1937, dem Jahr der Ausstellung „Entartete Kunst“, emigrierte Karl Nierendorf nach New York, eröffnete dort erneut eine Galerie und verhalf Künstlern wie Paul Klee, Franz Marc oder Ernst Barlach zu ihrer Bekanntheitin den USA. 1947 verstarb Karl Nierendorf ohne bis dahin die US-Staatsbürgerschaft zu besitzen. Sein Kunstbesitz fiel daraufhin an die Stadt New York und wurde später in großen Teilen von der Guggenheim Foundation übernommen. 1939 hatte auch Josef Nierendorf seine Berliner Galerie schließen müssen. Zwar hatte er den größten Teil seiner Werke über die Kriegsereignisse hinweg gerettet, doch die Wiedereröffnung seiner Galerie erlebte er nicht mehr. Er verstarb 1949. Sechs Jahre später eröffnete sein Stiefsohn Florian Karsch die Galerie erneut im damaligen Westberlin, wo sie auch heute noch existiert. Mehr als 12.000 Werke der Klassischen Moderne gehören zu diesem außergewöhnlichen Sammlungsbestand.

Thomas Hengstenberg

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Sigrid Zielke-Hengstenberg, M. A.
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