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Frauen(an)sichten

Frauen(an)sichten | Mutter - Muse - Femme Fatale

In einer thematischen Auswahl von ca. 80 Werken aus der facettenreichen Sammlung Frank Brabants lenkt die Ausstellung „Frauen(an)sichten – Mutter, Muse, Femme Fatale“ den Blick auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Es waren ereignisreiche Jahrzehnte, in denen sich die Welt in einem nie zuvor erlebten Tempo veränderte. Aus heutiger Sicht scheint es kaum vorstellbar, dass die Gesellschaft zu Beginn dieser aufgeklärten, fortschrittsgläubigen und hoch technisierten Zeit von einer Gleichbehandlung der Geschlechter noch weit entfernt war.

Obgleich die moderne Frauenbewegung ihre Anfänge bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts fand, war der Weg zur Gleichberechtigung noch weit.

Das galt in vielen Lebensbereichen, auch in der Kunst. So wurden Männer von je her an Kunstakademien ausgebildet, wohingegen diese, von wenigen Ausnahmen abgesehen, den Frauen bis in das beginnende 20. Jahrhundert verschlossen blieben. Erst durch die Weimarer Verfassung und die darin festgelegte Gleichbestellung von Mann und Frau änderte sich diese Situation.

Frauen erhielten das Wahlrecht und wurden ab 1919 auch von den Akademien aufgenommen. Es ist also kaum verwunderlich, dass noch in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts die Frauen kaum künstlerisch arbeitend hinter der Leinwand standen, sondern als inspirationsgebendes Modell vor der Staffelei agierten bzw. posierten. Ob sittsame Hausfrau oder Verführerin, ehrfürchtige Jungfrau oder Femme Fatale, in einer über Jahrhunderte von Männern bestimmten Welt ist die Darstellung der Frau auch über die Wende zum 20. Jahrhundert oft die männliche Projektion des Weiblichen.

Emil Nolde, Mächenkopf, um 1925, Aquarell - Tusche auf Papier | Klicken zum Vergrößern
Emil Nolde, Mächenkopf, um 1925 © Nolde Stiftung Seebüll

In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg wird das Verhältnis zwischen den Geschlechtern erkennbar spannungsreicher. Die bis dahin noch gültige Maler-Modell-Beziehung wurde durch die Kriegserfahrungen und durch den Emanzipationsschub der 20er Jahre äußerst fragwürdig. Die Hingabe des weiblichen Modells an den Blick des Künstlers und die Aneignung des Körpers für die männliche Kunstproduktion gerieten mehr und mehr zur Unmöglichkeit. So ging es nicht mehr um das vordergründige Bildmotiv der Frau, sondern um das, was den arbeitenden Künstler an Idealen, gesellschaftlichem Rollenverständnis und Ambitionen beschäftigt.

 Die Darstellung der Frau wurde als Leitfaden für diese Präsentation ausgewählt. In ihrer Vielfalt spiegelt sie nicht nur Individualität, Anmut und Weiblichkeit, sondern auch das Rollen und Selbstverständnis der Frau in einer noch nicht sehr fernen und doch oftmals fremd anmutenden Zeit. Die Ausstellung bietet die Gelegenheit einer Begegnung mit der Mutter, der Muse, der Femme Fatale wie auch mit der Arbeiterin, der Bürgerin, der Zigeunerin, der Tänzerin, der Geliebten, der Ehefrau sowie der Witwe.

Thomas Hengstenberg

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Thomas Hengstenberg
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