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Geschichte

Zur Geschichte des Schlosses Cappenberg

Schloss Cappenberg
Foto: Klaus Mischeke Selm

Auf einer Anhöhe hoch über der Lippeniederung gelegen, zählt Schloss Cappenberg zu den bedeutendsten Beispielen westfälischer Klosterbaukunst des Barock.

In ihrer Architektur orientiert sich die mächtige Dreiflügelanlage an dem Prinzip der unkomplizierten Großformen, welches auch bei den etwa zeitgleich errichteten Klosterbauten in Corvey und Marienfeld anzutreffen ist. Mögen einige der historischen Eckdaten Cappenbergs auch noch ungeklärt sein, vieles deutet darauf hin, dass diese Anlage zu den ältesten und berühmtesten Adelsburgen in Westfalen zählte, deren Wurzeln bis in die Karolingische Epoche zurückreichen.

Im Jahre 1122 gründete der letzte Graf von Cappenberg, der heilige Gottfried, das erste Prämonstratenserstift im deutschsprachigen Raum, indem er seine Burg und sein Vermögen dem heiligen Norbert, dem Gründer dieser noch sehr jungen Ordensgemeinschaft der Prämonstratenser, übergab. Dem Cappenberger Kloster war ein rascher Aufstieg beschieden und eine nicht unbedeutende Stellung im gesamten Orden, die sich nicht zuletzt in den vielen Kunstschätzen der Cappenberger Stiftskirche niederschlug.

Man nimmt an, dass von den Verwüstungen des 30-jährigen Krieges auch das adelige Stift Cappenberg betroffen war, denen die Klostergebäude zum Opfer fielen. In der Mitte des 17. Jahrhunderts begann man mit dem Neubau der Seitenflügel. Unter den Pröbsten Hermann Stephan von Nagel (1696 bis 1711) und Johann Engelbert von Ketteler (1713 bis 1739) entstand die äußerlich einheitliche Dreiflügelanlage in der heutigen Form.

Umfangen von dem Gebäude des Schlosses, liegt auf seiner Nordseite die ehemalige Stiftskirche, eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika, die 1148 vollendet wurde. Sieht man von den späteren gotischen Veränderungen ab, so zeigt sich ein einheitlich romanischer Baukörper von klaren Proportionen. Die Ausstattung der Kirche ist außerordentlich reich. Neben Chorgestühl, Sakramentshaus, zwei bedeutenden Grabmälern, Triumphkreuz, Flügelaltar des "Meisters von Cappenberg" und vielen weiteren Kostbarkeiten, ist es vor allem das berühmte Kopfreliquiar mit dem Bildnis Friedrich Barbarossas, welches als einzigartiges Geschichdenkmal hervorzuheben ist. Die Bildnisbüste des Kaisers war ein Geschenk Friedrichs an seinen Paten Otto, einen der Stifter Cappenbergs. Es zeugt von der engen Beziehung zwischen dem großen Staufer und dem Westfälischen Stift.

Nach fast 700-jährigem Bestehen wurde das Stift im Jahre 1803 aufgelöst und zur Preußischen Staatdomäne umgewandelt. Zwischenzeitlich unter französischer und bergischer Verwaltung, fiel der Besitz 1815 wieder an den Preußischen Staat und wurde 1816 von dem ehemaligen Staatsminister Karl Freiherr vom und um Stein (1757 bis 1831) erworben. Mit umfangreichen Umbau- und Instandsetzungsarbeiten des inzwischen vom Verfall bedrohten Gebäudes gab Stein der Anlage ihre heutige Gestalt. In dem sogenannten Steinarchiv lagert sein schriftlicher Nachlass zusammen mit einem Großteil der mittelalterlichen Urkunden des Stiftes.

Neben dem Bewusstsein um seine Bedeutung für die Geschichte, seiner Architektur und der Vielzahl von kunsthistorischen Zeugnissen einer großen Vergangenheit, sind es die überregional beachteten  Wechselausstellungen im Mittelflügel des Schlosses und die musikalischen Veranstaltungen in der Stiftskirche.