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Rede von Landrat Michael Makiolla

Rede von Michael Makiolla

Landrat des Kreises Unna und Initiator des Zukunftsdialoges

Sehr geehrte Herren Bürgermeister,
sehr geehrte Herren Abgeordnete,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

der Zukunftsdialog, zu dem ich vor einem Jahr eingeladen habe, kommt heute an einen vorläufigen Schlusspunkt. Die Arbeitskreise des Zukunftsdialogs haben in den vergangenen zwölf Monaten engagiert gearbeitet. Es wurden Handlungsstrategien formuliert und Projekte beschrieben, um die Strategien mit Leben zu erfüllen. Ab heute werden diese Projekte mit gemeinsamer Kraft auf den Weg gebracht.

Lassen Sie mich an dieser Stelle Danke sagen. Dank an alle, die diesen Prozess begleitet und gefördert haben. Dank an alle, die sich in den Arbeitskreisen mit wertvollen Diskussionsbeiträgen und Ideen eingebracht haben.

Besonderer Dank gilt an dieser Stelle den Arbeitskreisvorsitzenden

  • Herrn Reinhard Schulz, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund
  • Herrn Prof. Dr. Eberhard Becker, Rektor der Universität Dortmund, und
  • Herrn Jürgen Evert, Beigeordneter der Stadt Lünen.

Sie, meine Herren, haben einen besonderen Anteil daran, dass wir heute über die Profile, die den Kreis Unna ausmachen und über konkrete Projekte des Zukunftsdialogs sprechen können.

Mein Dank gilt heute aber auch den fleißigen Helferinnen und Helfern, die in den vergangenen Monaten unermüdlich im Hintergrund gearbeitet haben, um den Zukunftsdialog als strategischen Prozess mit allen Einzelveranstaltungen der vergangenen Monate möglich zu machen.

Meine Damen und Herren,
Bürgermeister Stodollick hat so eben stellvertretend für alle Bürgermeister im Kreis Unna gesprochen, die den Zukunftsdialog ebenfalls in entscheidendem Maße unterstützt haben und die auch die weiteren Schritte unterstützen werden.

Über diese Zusage habe ich mich besonders gefreut, denn es ist ein zentraler Punkt, dass die Städte und Gemeinden im Kreis Unna und der Kreis selber den Zukunftsdialog gemeinsam tragen. Mein Dank an Hans Wilhelm Stodollick steht deshalb stellvertretend als Dank an alle Bürgermeister.

Meine Damen und Herren,
ich möchte daran erinnern, welche Ziele für den Zukunftsdialog maßgeblich waren. Verschiedene Studien haben uns vor Augen geführt, welcher Ausgangslage wir uns in unserer Region stellen müssen.

Zwar haben wir auf der einen Seite einen hohen Beschäftigungsanteil in den Zukunftsbranchen, wie zum Beispiel dem Dienstleistungssektor. Wir haben auch die Nähe zu einer Reihe von Hochschuleinrichtungen in Westfalen und im Ruhrgebiet. Wir haben eine ausgesprochen gute verkehrliche Lage und eine gute Infrastruktur. Und vor allem haben wir in unseren Städten und Gemeinden einen hohen Wohn- und Freizeitwert.

Doch die Studien zeigen uns auch unsere Problemlagen auf, vor denen wir nicht die Augen verschließen dürfen. Wir haben einen Anteil junger Erwachsener an der Gesamtbevölkerung, der unter dem Bundesdurchschnitt liegt.

Wir haben eine viel zu hohe Arbeitslosigkeit. Vor allem bieten wir zu wenig qualifizierte Beschäftigung. Wir haben zwar mehr Abiturientinnen und Abiturienten als vergleichbare Städte im Ruhrgebiet, aber zu viele Abiturienten verlassen unsere Region nach dem Schulabschluss. Hinzu kommt eine weitere Verschärfung des Strukturwandels im Kreis Unna durch die aktuellen Steinkohlebeschlüsse.

Viele Bergleute, die heute im Bergwerk Ost einfahren, leben im Kreis Unna. Gleiches gilt für die Beschäftigten in der Bergbauzulieferindustrie, die unter anderem hier in Lünen beheimatet ist. Ich könnte an dieser Stelle noch weitere Dinge nennen, doch eins haben sie alle gemeinsam: Die Lösung all' dieser Probleme liegt in unserem gemeinsamen Interesse. Wir brauchen deshalb eine gemeinsame Handlungsstrategie und den Willen, diese auch gemeinsam Schritt für Schritt umzusetzen.

Auf einigen zentralen Handlungsfeldern, die für unsere Zukunft wichtig sind, müssen wir im Kreis Unna wie eine Stadt denken und handeln, wenn wir den Wettbewerb der Regionen in Nordrhein-Westfalen, in Deutschland und in Europa erfolgreich bestehen wollen. Ich denke, dass wir hier mit dem Zukunftsdialog ein gutes Stück vorangekommen sind.

Meine Damen und Herren,
wenn wir unsere Schwächen bekämpfen und unsere Stärken stärken wollen, dann müssen wir vor allem gemeinsam wahrnehmbar und wieder erkennbar werden. Das ist eine ganz deutliche Erkenntnis des Zukunftsdialoges. Es darf keine unterschiedlichen Botschaften über den Kreis Unna geben, sonst haben wir im Wettbewerb der Regionen keine Chance. Wir müssen unsere Erfolge und Stärken sichtbar machen und auf ihnen aufbauen. Dies gilt nicht nur allgemein, sondern im Besonderen auch im Bezug auf die neuen Ziel-2-Förderrichtlinien in NRW.

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung des Zukunftsdialoges im Mai 2006 wurde insbesondere die fehlende Profilbildung für eine regionale Identität als besondere „Baustelle" herausgearbeitet. Zentrale Aufgabe war es daher, Ziele, Leitlinien und Projekte zu entwickeln, die einen regionalen Konsens aller Beteiligten widerspiegeln.

Dies ist nicht in dem Sinne zu verstehen, dass die Arbeitskreise die Frage beantworten wollten, was das Verbindende zwischen Schwerte und Selm ist. Vielmehr  wurde daran gearbeitet herauszufinden, wo die gemeinsamen Interessen, die gemeinsamen Chancen, die gemeinsamen Absichten und wo die zentralen Kompetenzen liegen. Was prägt unsere Region? Was kann jeder mittragen?

In diesem Prozess sind folgende Profile entstanden:

„Die feine grüne Mitte" beschreibt einmalige Standortvorteile in der Region durch die landschaftlich hervorragende Lage im Schnittpunkt von Münsterland, Soester Börde und Sauerland, oder einfach auch an Ruhr, Kanal und Lippe. „Die feine grüne Mitte" beschreibt aber auch die kulturellen - sprich „feinen" - Qualitäten im Kreis Unna, wie etwa die renommierten Ausstellungen auf Schloss Cappenberg, dem Heinz-Hilpert-Theater hier in direkter Nachbarschaft, die Lichtkunst mit ihrem Zentrum in Unna oder die Rohrmeisterei in Schwerte.
Wir sind halt mittendrin, im östlichen Ruhrgebiet ebenso wie in NRW. Dieses Profil ist zugleich Handlungsauftrag. Städte ans Wasser, Kulturhauptstadt 2010, Ökologie,  Natur- und Landschaftraum. Das sind die unsere Region prägenden Standortvorteile, die es zu kommunizieren, zu erhalten und auszubauen gilt.

Die „Region der kurzen Wege" formuliert zusammen mit der feinen grünen Mitte den Qualitätsanspruch und definiert die herausragenden Standortbedingungen im Kreis Unna für die Menschen, die hier leben, aber auch und gerade für Unternehmen, die in unserer Region wirtschaften. Durch die überschaubaren Strukturen im Kreis kann unsere Infrastruktur kompakt, umfassend und vor allen Dingen bürgernah bereitgestellt und erreicht werden. Die Menschen im Kreis Unna genießen die Vorteile der Nähe zu den Großstädten und der Nachbarschaft zum ländlichen Raum gleichermaßen, ohne die Nachteile dieser Räume in Kauf nehmen zu müssen. Dies ist der große Vorteil, den wir hier in unserer Region haben.

„Region der kurzen Wege" formuliert noch einen weiteren Anspruch für das Handeln im Kreis Unna, nämlich kurze, schnelle Wege in allen Angelegenheiten des Umgangs von Behörden und Verwaltungen mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen zu gewährleisten. Mittelstandsfreundliche Verwaltungen, Bürokratieabbau etc. sind hier die entsprechenden Zielsetzungen, um auch auf diese Art und Weise zu besonderen Standortqualitäten im Kreis Unna zu kommen.

„Der gesunde Kreis" ist Ausdruck der Zielsetzung, in der Gesundheitspolitik und der Gesundheitswirtschaft eine besondere Rolle wegen vorhandener besonderer Strukturen und Begabungen zu spielen. Drei Säulen tragen diese Kompetenz

  • Die bundesweit anerkannten Erfolge und Pionierleistungen des Kreises Unna in der kommunalen Gesundheitspolitik (Patientenberatung,  Gesundheitshäuser, Gesunde-Städte-Netzwerk etc.)
  • Die nachweislichen Potentiale im Bereich der unternehmerischen und klinischen  Medizintechnik und -technologie, wozu auch Biosecurity in Bönen zählt
  • Und alles das, was in innovativer Art und Weise mit Bildung und Wissen im Bereich der Gesundheitswirtschaft zu tun hat. Diese Säulen schaffen sicherlich einmalige Potentiale und geben besondere Chancen

„Der schlaue Kreis" steht für Wissen und Bildung als Schlüssel für eine zukunftsorientierte Regionalentwicklung. Der Kreis Unna ist fraglos Bildungsregion. Für eine zukunftsfähige Ausrichtung unserer Bildungsangebote müssen und wollen wir besondere Akzente setzen. Dies werden wir vor allem in der Ausgestaltung der Schnittstellen zwischen den einzelnen Komponenten des Bildungssystems tun. Als Stichpunkte mögen wie „Lernende Region", BAS-Akademie oder auch die Stiftung Weiterbildung reichen.

Dieses so zu qualifizieren, dass der Übergang zwischen Schule und Beruf, zwischen Schule und Hochschule, zwischen Hochschule und Beruf für immer weniger junge Menschen zu einer unüberwindbaren Hürde wird, ist eine zentrale Aufgabe, der wir uns stellen. Außerdem gilt es, der Region - und insbesondere ihren Unternehmen - mehr Zugänge zur Wissenschaftskompetenz zu eröffnen. Und schließlich gilt es, insbesondere Langzeitarbeitslose passgenau so zu qualifizieren, dass sie von den alt eingesessenen und von den neuen Unternehmen in unserer Region beschäftigt werden können. Der Kreis Unna soll zukünftig ein starker Knoten in einem westfälischen Wissenschaftsnetzwerk sein.
 
Der Kreis Unna ist „die Region profilierter Zukunftsbranchen". Er ist Logistikregion Nummer eins in NRW und hat mit dieser herausragenden Kompetenz national wie im europäischen Vergleich eine erhebliche Bedeutung. Der Kreis Unna ist das Zentrum für Kreislaufwirtschaft und Umwelttechnik mit weltweiter Ausstrahlung. Daneben stehen besondere Kompetenzen im Maschinenbau und der Fabrikautomation, der Lebenswissenschaften und der Energiewirtschaft, sowie in weiteren Branchen bis hin zur Tourismuswirtschaft. Diese erfolgreichen Branchen sind das ökonomische Fundament für die weitere Entwicklung unserer Region, insbesondere für die dringend notwendige Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze.

Auf sie werden wir uns künftig bei der Wirtschaftsförderung konzentrieren, und zwar sowohl bei der Bestandspflege als auch bei den Neuansiedlungen sowie bei der Erarbeitung von Förderanträgen an das Land, an den Bund und an die Europäische Union.

Meine Damen und Herren,
neben diesen Profilen möchte ich Ihnen auch Projekte vorstellen, die zum einen die Ideen des Zukunftsdialogs flankieren und zum anderen zentral sind, um die beschriebenen Profile in konkretes Handeln umzuwandeln.

Ich möchte einen Strukturfonds für innovative Unternehmen und Gründer schaffen. Dieser Strukturfonds soll bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Unna eingerichtet werden, so dass mit dessen Unterstützung flexibel und unbürokratisch Co-Finanzierung gegeben werden kann.

Dieses Projekt ist durch den Kreistag bereits politisch auf den Weg gebracht worden, in dem ich den Auftrag erhalten habe, durch die Verwertung von RWE-Aktien der Wirtschaftsförderungsgesellschaft ein zusätzliches Kreisdarlehen in Höhe von 5 Millionen Euro zu gewähren.

Wie unter dem Profil „Region der kurzen Wege" bereits angedeutet, wird es ein Serviceversprechen für den Mittelstand geben.

Die Bürgermeister der 10 Städte und Gemeinden und ich haben vereinbart, dass unsere 11 kommunalen Verwaltungen im Kreisgebiet gemeinsam dafür sorgen werden, dass Verwaltung noch intensiver als bisher zur unterstützenden Kraft für unternehmerische Aktivitäten wird. Das heißt: Wir werden kreisweit einheitliche Qualitätsstandards beispielsweise für Genehmigungsverfahren in unseren Verwaltungen festlegen und praktizieren.

Zusammen mit dem Bündnis für Familie im Kreis Unna werden wir weiter an der Familienfreundlichkeit des Wirtschafts- und Wohnstandortes Kreis Unna arbeiten. Denn eines ist klar: Familienfreundlichkeit und hier insbesondere bedarfsgerechte Kinderbetreuungsangebote tragen wesentlich dazu bei, für Eltern Familie und Beruf besser vereinbar zu machen und die in der Region unterdurchschnittliche Frauenerwerbsquote zu verbessern. In diesem Sinne ist Familienfreundlichkeit wichtiger Baustein für einen erfolgreichen Ausbau unseres Wirtschaftsstandortes.

Gleiches gilt für die erfolgreiche Integration interkultureller Kinder, Jugendlicher und Erwachsener in unsere Gesellschaft. Die Integrationskonferenz im Kreis Unna hat hierzu in den letzten Monaten Leitlinien erarbeitet und in die Diskussion des Zukunftsdialogs eingetragen. Die Integrationsleitlinien sind darüber hinaus eigenständiger Beratungsgegenstand der morgen (04.06.2007, Anm. d. Red.) stattfindenden Situng des Kreistages.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
zentral für die weitere Arbeit ist das, was im vorliegenden Handlungsprogramm des Zukunftsdialoges mit „Initiative Kreis Unna" überschrieben ist. Ich werde herausragende Persönlichkeiten für eine Mitarbeit in der Initiative Kreis Unna ansprechen. Gemeinsam soll die Initiative dafür sorgen, dass die Projekte des Zukunftsdialogs über die Grenzen der Region bekannt werden und für entscheidende Projekte auch bewusst geworben wird. Die „Initiative Kreis Unna" wird sich aus bekannten Repräsentanten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Politik zusammensetzen, die sich für unsere Region engagieren wollen.

Der Kreis Unna wird sich mit dieser Initiative im zunehmenden Wettbewerb der Regionen um Investition und Menschen aussichtsreicher positionieren können.

Wir werden

  • Die Wahrnehmbarkeit nach außen durch gemeinsame Botschaften erhöhen
  • Kompetenzen und Stärken bündeln
  • Gemeinsame Ressourcen bündeln
  • Gemeinsame Ressourcen zielgerichtet einsetzen
  • Kräfte im Kreis aktivieren und Netzwerke knüpfen, und so

die „Region Kreis Unna" als Teil des Ruhrgebiets und als Teil Westfalens in ihrer Gesamtheit profilieren.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
wir geben heute den Startschuss für ein bisher einzigartiges gemeinsames  Projekt. Lassen sie es uns gemeinsam weiter entwickeln und zum Erfolg für uns alle führen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.