Kreishaus Unna | Foto: nowofoto.de

Desinfektionsmittel im Haushalt - Überflüssig und umweltschädlich

Im Büro rücken die Kollegen Tatstatur und Telefonhörer mit dem Desinfektionstuch zu Leibe, zu Hause kommt der Hygienespüler in die Waschmaschine. Und sicherheitshalber wird die Arbeitsplatte in der Küche mit antibakteriellem Spray abgewischt.

„Das ist vollkommen überflüssig und kann sogar schaden“, warnt Birgit Habbes, die Amtsapothekerin des Kreises Unna und verweist auf Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Denn ohne Bakterien geht es nicht: „Es leben rund 100 Billionen Bakterien auf und im menschlichen Körper“, erläutert Habbes. „Und dort übernehmen sie wichtige Aufgaben, regulieren beispielsweise den Säureschutzmantel der Haut.“ Werden diese wichtigen Keime durch ein Übermaß an Desinfektionsmittel abgetötet, kann das körpereigene System aus dem Gleichgewicht kommen.

Allergien können ausgelöst werden

Einige Substanzen, die in Hygienereinigern enthalten sind, verursachten darüber hinaus weitergehende Probleme, warnt Habbes: „Es gibt Konservierungsmittel, die nicht nur Allergien auslösen, sondern auch die Resistenzbildung von Keimen gegen Antibiotika fördern.“

Normale Hygieneregeln beachten

Ein Grundproblem sei, dass viele Menschen auf Desinfektionsmittel und Antiseptika setzten, anstatt die herkömmlichen Grundregeln der Hygiene zu beachten, unterstreicht Habbes und gibt einen Überblick, was wirklich nötig ist:

  • Nicht nur vor dem Essen, sondern auch vor der Zubereitung von Speisen sollten die Hände gründlich mit Seife gewaschen werden. Selbstverständlich gilt das auch nach dem Toilettengang.
  • Zur Reinigung reichen einfache Putzmittel aus, zum Beispiel auf Basis von Zitronensäure oder Essig.
  • Für Küche und Bad sowie Toilette sollten unbedingt getrennt Putzlappen verwendet werden.
  • Spültücher, Hand- und Trockentücher, Putzlappen häufig wechseln und bei mindestens 60°C mit einem bleichmittelhaltigen Vollwaschmittel waschen.
  • Regelmäßiges Stoßlüften bringt Feuchtigkeit in die trockene Heizungsluft – und die beugt einer Austrocknung der Schleimhäute vor.
  • Damit Krankheitserreger sich nicht unnötig verbreiten, sollten Papiertaschentücher in gesonderten Beuteln entsorgt werden.
  • Abfalleimer häufig leeren.

Wer mindestens diese Hinweise beachtet, tut übrigens nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern auch der Umwelt. Denn trotz moderner Kläranlagen können die Schadstoffe in Flüsse und Seen gelangen und damit letztendlich sogar in unserem Trinkwasser landen.
- Birgit Kalle -

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