Kreishaus Unna | Foto: nowofoto.de

– Auffangnetz der Kooperation zwischen Polizei und Frauenforum funktioniert

Am 1. Januar 2002 trat in Deutschland das Gewaltschutzgesetz (GewSchG) in Kraft. Damit wurde häusliche Gewalt nicht länger als Privatangelegenheit angesehen, die die Beteiligten unter sich auszutragen hatten, der Schutz davor wurde zur gesetzlich verpflichtenden staatlichen Aufgabe.

Für Nordrhein-Westfalen gilt ergänzend § 34a Polizeigesetz des Landes Nordrhein-Westfalen (PolG NRW). Dieser berechtigt die Polizei bei häuslicher Gewalt – ohne eine richterliche Genehmigung einzuholen – die gewalttätige Person der Wohnung zu verweisen und zum Schutz vor weiterer Gewalt ein Rückkehrverbot von bis zu 10 Tagen auszusprechen. Gleichzeitig erstattet die Polizei in jedem Fall eine Strafanzeige.

In enger Kooperation arbeiten das Handlungsfeld von Kriminalprävention und Opferschutz der Polizei NRW mit der Frauen- und Mädchenberatungsstelle des Frauenforums Kreis Unna zusammen. Im polizeilichen Einsatz werden die Frauen auf die Möglichkeit der Beantragung zivilrechtlichen Schutzes hingewiesen. Sie werden über die Angebote der Beratungsstelle informiert, es wird ihnen der Flyer mit den Kontaktdaten zur Verfügung gestellt. Mit deren Einverständnis wird mit einem Fax-Formular (aus Datenschutzgründen) die Beratungsstelle über die ausgesprochene polizeiliche Wegweisung informiert. Die Frauen- und Mädchenberatungsstelle nimmt dann Kontakt zum Opfer auf.

Enge Zusammenarbeit bewährt sich
In 2020, dem Corona-Jahr, hat die Polizei die Beratungsstelle in 37 von 73 Fällen häuslicher Gewalt mit ausgesprochener polizeilicher Wegweisung informiert. Zusätzlich hat die Polizei jedoch in weiteren 51 Fällen die Information über Polizeieinsätze bei Partnerschaftsgewalt, sowohl körperlicher als auch sexualisierter Art, mit Einverständnis der betroffenen Frau, an die Beratungsstelle geleitet, ohne dass es zu einer Wegweisung kam. Dieser Teil der kooperativen Zusammenarbeit zwischen Polizei und Frauenforum ist für die Beteiligten von besonders wichtiger Bedeutung. In gewissem Sinne ist das auch präventive Arbeit, ein wesentlicher Baustein sowohl der Polizeiarbeit wie auch des Frauenforums, da ggf. Schlimmeres verhindert werden kann. Hier bewährt sich die intern enge Zusammenarbeit der Beratungsstelle mit dem Frauenhaus, wenn hier Schutz sowie Auswege vor weiteren häuslichen Eskalationen gefunden werden können.

Im Rückblick auf 2020 im Vergleich zu 2019 ergibt die statistische Auswertung für die Frauen- und Mädchenberatungsstelle, dass die gleiche Zahl von Frauen erreicht wurde (452 in 2020, 455 in 2019) und dass auch die Zahlen der benannten Beratungsgründe „körperliche/psychische Gewalt“ (247 in 2020, 256 in 2019) sowie „sexualisierte Gewalt“ (64 in 2020, 53 in 2019) in etwa gleich hoch geblieben sind. Auch im Frauenhaus ist im Corona-Jahr die Zahl mit 40 aufgenommenen Frauen und ihren Kindern nur wenig unter der 46 in 2019 geblieben. Auffällig ist, dass der benannte Beratungsgrund „sexuelle Gewalt“ angestiegen ist (42 in 2020, 31 in 2019, 25 in 2018) – gegebenenfalls ist auch hier vieles mehr hinter Wohnungstüren geschehen. Zudem ist das Thema in den vergangenen Jahren, auch dank der Arbeit von Justiz, Polizei und Beratungsstellen, aus der Tabuzone mehr und mehr in die politische und gesellschaftliche Öffentlichkeit geholt worden.

Über alles ist für dieses schwierige Jahr festzustellen, dass es trotz aller Einschränkungen gelungen ist, in der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Frauenforum die Erreichbarkeit, das präventive Handeln, den Schutz und die Beratung von beiden Seiten sicherzustellen. In Lock-down-Zeiten war es zwar zeitweise sehr still geworden, da sich die akute Betroffenheit oft sicher unerkannt hinter den Wohnungstüren abspielte – doch in den Zeiten dazwischen konnte vieles zum Schutz der Frauen und Kinder für neue Perspektiven aufgearbeitet werden.

- Frauenforum Kreis Unna e.V.-

 

Auf dem Bild: (von links) ) Leiterin Frauenhaus Unna Michelle Taubert, Beraterinnen für Frauen und Mädchen des Frauenforums Ariane Raichle und Frauke Huwald, Landrat Mario Löhr, geschäftsführender Vorstand Frauenforum im Kreis Unna e.V Birgit Unger, Kriminalhauptkomissarin Tanja Weber (Opferschutz in Kriminalitätsangelegenheiten), Kriminaldirektor Christoph Strickmann und leitender Polizeidirektor Peter Schwab.

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